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Für wen schreiben Sie?

Wenn Sie Ihrer Freundin schreiben, schreiben Sie nicht „Sehr geehrte Frau Müller“, wenn Sie Ihrem Vorgesetzten eine Mail schicken, selten „Tach Alter!“ Die Anrede wählen Sie nach Ihrer Zielperson aus – damit sie sich angesprochen fühlt.

Beim Schreiben einer Pressemitteilung, eines Flyers, eines Tagungsprogramms etc. ist es genauso: Sie schreiben für eine bestimmte Zielgruppe. Deswegen:

Richten Sie Ihre Sprache an Ihrer Zielgruppe aus!

Im Tagungsprogramm dürfen Fachbegriffe stehen – es lesen ja Fachinterne. Beim Flyer sollten Sie Fachbegriffe mindestens erklären. Bei der Pressemitteilung stellen Sie sich am besten vor: Wer liest die Zeitung? Wann liest er sie – wie viel Zeit hat er also dafür? Wofür interessiert er sich – was wird er also gern lesen? Welches Hintergrundwissen hat er – was also wird er verstehen? Versetzen Sie sich immer in die Sichtweise Ihres Lesers und überlegen Sie: Was will der lesen?, nicht: Was will ich schreiben?.

Klar kennen Sie nicht jeden Zeitungsleser; wählen Sie also einen Stellvertreter – z. B. Ihren Nachbarn, vorausgesetzt, der hat nicht den gleichen Beruf wie Sie oder ist sonstwie vorbelastet. Es wird Ihnen dann leichter fallen, Ihren Text zu verfassen.

Gesellschaftsspiegel Werbung

Damit Sie einen Eindruck davon erhalten, wie unterschiedlich Sie Kunden ansprechen können, hier ein anachronistisches Beispiel: Diese Werbeanzeige von 1884 habe ich im Schaufenster eines Spielwarengeschäfts in einer emsländischen Kleinstadt fotografiert – der Jargon hat sich mächtig gewandelt!

alte Werbeanzeige klein

Das „geehrte Publikum“ wird „ergeben“ um „geneigten Zuspruch“ gebeten – offenbar erwartete der Konsument zu der Zeit eine solche Sprache, denn aus dem kleinen Schuhmacher wurde ein erfolgreiches Spielwarenfachgeschäft.

Grafisch ist die Anzeige durchaus auf Zack – Bild und fettgedruckte Worte liefern die wichtigsten Informationen: Qualifikation, Produkt, Name. Aber wo stehen die wichtigen Infos? Im Nebensatz! „…, dass ich mich mit dem heutigen Tage hier als Schuhmacher niedergelassen habe.“ Oder: „…, dass ich ein reichhaltiges Lager von Schuhwaren […] unterhalten werde …“ (Und hier fehlt jetzt ein Komma, ein Schlamper der Anzeigenabteilung der Zeitung.) Und letztlich die dritte wichtige Aussage – im Passiv: „Für gute und dauerhafte Arbeit wird bestens Sorge getragen.“

Das Verhältnis zwischen Kunde und Unternehmen hat sich gewandelt – das spiegelt auch die Werbung: Hat der Verkäufer seine Kunden früher im wörtlichen Sinn bedient, so reden sie heute miteinander auf Augenhöhe.

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