Warum dein Kleiderschrank dich glücklich machen darf

Rezension von Mareike Knue zu Carola Nahnsens Buch: „Lass dich sehen.“

Erfolgreiche Frauen haben nicht weniger Zweifel oder Selbstunsicherheiten. Sie gehen nur besser damit um. Eine solche erfolgreiche Frau ist Carola Nahnsen. „Wenn mir jemand vor ein paar Jahren gesagt hätte, dass ich einmal ein Buch schreiben würde, hätte ich laut aufgelacht und wäre puterrot geworden“, schreibt sie in ihrem jüngst veröffentlichten Buch „Lass dich sehen. Warum dein Kleiderschrank dich glücklich machen darf“. „Ich war diejenige, die sich in der Schule immer in die hintere Reihe gestellt hat und beim Sport zum Schluss gewählt wurde.“

Der oberflächliche Leser könnte meinen, in diesem Buch gehe es um Outfits. Vielmehr geht es jedoch um den Menschen, der drinsteckt. Genauer: um die Frau in der Kleidung (auch wenn Carola ebenso Männer berät). An sie wendet sich Carola ganz direkt. Sie spricht mit ihr wie mit einer guten Freundin, einer, der sie nur das Beste wünscht. Auf jeder Seite spürt die Leserin: Ich bin liebenswert, so wie ich bin. Und ich darf mir trotzdem den Wunsch herausnehmen, mich verändern zu wollen.

Auf dem Weg dieser Veränderung begleitet Carola ihre Leserin: ermutigend, bestätigend, wertschätzend. Als Mittel der Veränderung wählt sie Kleidung, Schuhe, Accessoires, Frisur, Make-up. Doch es geht ihr um mehr: Es geht ihr darum, Frauen zur Sichtbarkeit zu ermutigen. Und die wirkt viel tiefer. Denn jedes Outfit ruft Reaktionen hervor – vom eigenen Ich vor dem Spiegel wie von anderen. Und diese Reaktionen wirken zurück in unser Inneres. Und sie wirken sich direkt aus auf unseren Erfolg – beruflich wie privat.

Carola sagt ihrer Leserin: Du darfst es dir leichter machen, indem du dich gemäß deinen Zielen kleidest. Dein Kleiderschrank darf dich unterstützen bei allem, was du vorhast. Er darf dein Freund sein in jeder Lebenslage. Welch unglaubliche Erleichterung für Frauen, deren jeder einzelne Lebenstag mit Kritik beginnt: beim morgendlichen Blick in den Spiegel.

Carola dagegen gönnt ihrer Leserin einen liebevollen Blick auf das eigene Selbst – von Herzen, gemäß dem Leitspruch ihrer Oma: „Je schlechter es dir geht, desto besser ziehe dich an!“ Denn Carola versteht sicherlich sehr viel von Image und Outfits. Vor allem aber versteht sie etwas von Menschen. Und von Frauen im Besonderen. Und deswegen prophezeie ich, dass ihr Erfolgsweg noch lange, lange nicht auf seinem Höhepunkt angekommen ist.

Carola gehört nicht zu den Menschen, bei deren Geburt schon klar war: Die wird mal erfolgreich. Sie hat keine berühmten Eltern. Sie ist weder adelig geboren noch reich. Sie ist nicht mit einem alles überstrahlenden natürlichen Talent auf die Welt gekommen. Carola ist nicht erfolgreich, weil sie von Natur aus besser ist als andere Frauen; sie holt aus ihren Fähigkeiten und Eigenschaften nur das Beste heraus. Ihren eigenen Weg beschreibt sie als Entwicklung „von der Raupe zum Schmetterling“.

Umgekehrt heißt das: Was sie geschafft hat, können auch andere Frauen schaffen. Und genau dazu ermutigt sie mit ihrem Buch. Sie sagt ihrer Leserin: Du darfst dir hohe Ziele setzen. Und du darfst immer wieder von diesen Zielen erzählen, jedem, jahrelang, egal, was andere denken. Und wenn du dein Ziel erreicht hast, dann darfst du stolz darauf sein – und zwar laut und öffentlich.

Und noch etwas vermittelt sie: Schönheit ist nichts, das eine Frau hat und eine andere nicht. Schönheit ist etwas, das jeder Frau innewohnt. Sie kann es verstecken oder betonen. Das entsprechende Know-how erfährt die Leserin des Buchs oder die Teilnehmerin an Carolas Kursen oder Beratungen.

Es gibt in dem Buch ein besonderes Foto von Carola. Hätte es mir jemand gezeigt und mich gefragt, ob ich die Frau auf dem Bild kenne, hätte ich verneint. Denn dieses Foto von ihr wurde mit Photoshop bearbeitet – wie Millionen Bilder von Frauen für Magazine und Plakate jeden Tag weltweit. Auf diesem Bild sieht man eine verstümmelte Carola. Grausam beschnitten in ihrer Ausstrahlung, Individualität und Persönlichkeit. Dafür passt sie auf dem Bild in das allseits propagierte einheitliche Ideal(?)bild Frau. Carola hat hier am eigenen Leib ausprobiert, was die vielbeneideten Fotomodelle täglich erfahren: Muss ich mir mein Ich wegretuschieren lassen, um schön genug zu sein für die Welt?

Carola antwortet mit ihrem Buch und ihrem gesamten Handeln auf diese Frage mit einem deutlichen Nein. Daraus folgt: Auf keinen Fall musst du dich als Frau unters Messer legen. Du brauchst dich auch nicht durch Diäten zu quälen. Oder durch eine Photoshop-Verstümmelung. Alles was du brauchst, ist Carola, die dich sieht, dich wirklich ansieht, und dich mit ihrer Begleitung und ihrem Buch davon überzeugt: Du bist schöner, als du denkst.