Geschäftspartnerin in Umständen

Zum gefahrfreien Umgang mit schwangeren Unternehmerinnen

Überall finden sich Anleitungen, wie Unternehmen mit schwangeren Angestellten umzugehen haben – aber was ist, wenn Sie mit einer schwangeren Geschäftspartnerin zu tun bekommen? Gibt’s da auch etwas zu beachten? Geht von der wachsenden Knautschzone in der Körpermitte eine besondere Bedrohung aus?

Was sagen die Paragraphen?

Unternehmerinnen, die Kinder bekommen, sind in Deutschland strukturell nicht vorgesehen. Rechtlich gesehen dürfen Sie schwangere Unternehmerinnen also genauso behandeln wie nicht schwangere: Nächtliche Deadlines und stundenlange Stand-up-Meetings sind juristisch einwandfrei. Sollten dadurch in Ihrer Anwesenheit verfrüht Wehen eintreten, sind Sie lediglich zum Minimum der Ersten Hilfe verpflichtet wie jeder Bürger in jeder Situation: Notruf absetzen (112). Schwangere Unternehmerinnen stellen also keine juristische Gefahr dar.

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Keine zufriedenstellende Richtschnur?

Dann gehören Sie zu den einfühlsameren Geschäftspartnern, die eine wertschätzende Geschäftsbeziehung bevorzugen. In diesem Fall helfen Ihnen folgende Tipps, um sich aus typischen Gefahrenzonen herauszuhalten:

1. Körperliche Entlastung

Ja, so ein Bauch in den letzten Wochen sieht gewaltig aus – und fühlt sich auch genauso an. Termine im Sitzen, kurze Pausen in langen Meetings und Aufträge mit etwas großzügigerer Deadline sind bei schwangeren Unternehmerinnen daher sehr willkommen. Geben Sie Ihrer Geschäftspartnerin also die Möglichkeit, sich selbst zu schützen, bedroht Sie kein schlechtes Gewissen. Aber Achtung: Zu viel Fürsorge ist auch nicht willkommen!

2. Bloß nicht wie eine Kranke behandeln!

Unternehmerinnen sind gewohnt, unabhängig und eigenständig zu handeln – die Einschränkungen durch einen dicken Bauch schlagen auf die Stimmung. Daher kann es vorkommen, dass die schwangere Unternehmerin ihren Frust an denen auslässt, die in bester Absicht das Gefühl eingeschränkter Souveränität bestätigen. Zickige Antworten auf Hilfsangebote wie Taschetragen oder Ins-Auto-Helfen können hier ihre Ursache haben und werden durch das Hormon-Chaos im Körper verstärkt. Dieser Gefahr entgehen Sie wie folgt:

3. Stimmungsschwankungen großzügig übergehen

Am besten fahren Sie daher bei anstrengenden Verhaltensweisen Ihrer Geschäftspartnerin, die Sie sonst von ihr nicht gewohnt sind, indem Sie sie lächelnd ignorieren. Motivieren Sie sich durch den Gedanken: Wenn sie Ihnen schon merkwürdig begegnet, was muss ihr Mann dann erst zuhause aushalten! Haben sich die Hormone erst mal wieder reguliert, erhalten Sie Ihre Geschäftspartnerin unversehrt zurück, so wie Sie sie kennen.

4. Weiter beauftragen!

Zu viel der Rücksicht wäre auch, die schwangere Unternehmerin von Aufträgen zu verschonen. Alles Geld, das sie verdienen kann, während das Kind noch wehrlos im Bauch rumschwimmt, ist Geld, das sie nicht verdienen muss, wenn die Tage lang und die Nächte kurz sind. So erhalten Sie sich am ehesten eine zufriedene und leistungsfähige Geschäftspartnerin.

5. Kritisch mitdenken

Ja, Schwangerschafts- und Stilldemenz sind keine Mythen! Während man manchen Männern vorwirft, sie würden ihr Gehirn Sie-wissen-schon-wo tragen, tragen Schwangere ihres oft im Bauch. Dort wird es von den Tritten des Kindes ordentlich weichgeprügelt. Die eine Unternehmerin spürt die Auswirkungen mehr als die andere. Sollte Ihnen also etwas komisch vorkommen in der Kommunikation, sprechen Sie es im eigenen Sicherheitsinteresse offen an: Es kann durchaus sein, dass Ihre sonst so organisierte, strukturierte und zuverlässige Geschäftspartnerin etwas vergisst.

6. Mutterschutz?

„Mutterschutz“ bedeutet für Unternehmerinnen: Geld ja – Schutz nein. Theoretisch kann sie also auch noch aus dem Kreißsaal heraus Ihre Aufträge bearbeiten. Praktisch ist jede Unternehmerin auch nur eine ganz normale Frau und den Begleiterscheinungen von Schwangerschaft, Geburt und Wochenbett ausgesetzt. Das ist wie bei Unternehmer/innen, die am Morgen nach dem Schützenfest natürlich wieder im Betrieb stehen – den Kater allerdings trotzdem nicht zuhause lassen konnten. Wenn Sie Ihrer Geschäftspartnerin also in den 14 Wochen rund um die Geburt das Gefühl geben, sie könne Ihnen offen mitteilen, was geht und was nicht, ist das die beste Basis für beide Seiten.

7. Unternehmerinnen dürfen arbeiten, aber nichts verdienen

Ist das Kind erst mal da, ist die Unternehmerin schneller wieder am Arbeitsplatz als irgendeine Berufstätige sonst: Sie darf und sie muss ihre Kunden auch während der Elterngeldzeit weiter versorgen, damit es ihr Unternehmen danach noch gibt. Dass sie so dafür sorgt, nicht zum Sozialfall zu werden, wird durch Abzug jedes verdienten Cents vom Elterngeld geahndet. Sie wird also ihre Rechnungsstellung klug planen. Sie unterstützen sie, indem Sie sich penibel an die angegebenen Zahlungszeiträume halten und weder zu früh noch zu spät überweisen. So erhalten Sie sich ein wertvolles Partnerunternehmen.

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8. Laden Sie Babys nur ein, wenn Sie die Folgen vertragen!

„Bringen Sie das Kleine doch einfach mit!“ Stillende Unternehmerinnen können sich immer nur eine Zeitlang von ihrem Milchabnehmer trennen. Solche Angebote können daher willkommen sein – Sie sollten es aber ernst meinen. Ein Stillkind ins Meeting einzuladen, kann bedeuten, dass es mittendrin an die Milchbar muss oder Ihr Büroboden zum Wickeltisch wird. Wer von den begleitenden Anblicken, Geräuschen oder Gerüchen irritiert wäre, sollte das Meeting lieber auf eine kindfreie Zeit legen oder flexible Pausen einplanen.

9. Geschenke sind kein Muss

Geschenke zur Geburt sind eine nette Geste, aber unter Geschäftspartnern genauso wenig ein Muss wie Geburtstagsglückwünsche. Sollten Sie sich dazu entschließen, ein Paket ans Wochenbett zu schicken, ist es zwar vorbildlich ressourcenschonend, die nächsten Auftragsunterlagen gleich dazuzulegen, könnte allerdings Ihrem sorgfältig ausgewählten Geschenk einen ungewollten Beigeschmack verpassen.

Ausgerüstet mit diesen Tipps sollte es Ihnen gelingen, einigermaßen unbeschadet durch die rund 18 Monate Geschäftspartnerschaft mit einer schwangeren/stillenden Unternehmerin zu kommen. Halten Sie sich zur Not an dem Gedanken aufrecht, dass aus dieser für Sie sehr anstrengenden Zeit jemand hervorgeht, der rund 10 bis 20 Jahre später Ihr potenzieller Kunde oder Mitarbeiter wird …