Konzentration und Geräusche

Was tun gegen zu viel Lärm?

Arbeiten Sie in einem großen Büro, kennen Sie die Situation bestimmt: Sie sitzen an einer Aufgabe und versuchen sich zu konzentrieren, während nebenan laut telefoniert wird, zwei Ihrer Kollegen sich am anderen Ende des Raumes über ihr Wochenende unterhalten, Ihr Sitznachbar gerade am Frühstücken ist – und dann noch diese Baustelle direkt vor dem Fenster … Wer sich da konzentrieren kann, verdient den größten Respekt.

Von Nadezda Gerdemann

Auch wenn wir bei Zeilensprung nur zu zweit das Büro teilen, gibt es auch bei uns „laute“ Tage – dabei ist gerade beim Texten Konzentration das A und O. Was also tun wir gegen den Lärm, damit wir unseren Kunden immer gute Texte abliefern können? Bevor diese Frage beantwortet wird, schauen wir uns an, warum Lärm überhaupt schädlich ist.

Gefahren vom Lärm – nicht nur am Arbeitsplatz

Wer der Meinung ist, der Lärm wäre nur am Arbeitsplatz schädlich (weil man dadurch keine guten Ergebnisse mehr liefert, z. B.), der irrt sich: Lärm hat viele negative Einflüsse auf einen Menschen – ob bei der Arbeit oder in privaten Situationen. Denn:

  • Lärm macht krank, da dauerhafte Beschallung Stress auslöst – Kopfschmerzen und Schlafschwierigkeiten sind dabei einige der möglichen Folgen.
  • Lärm stört die Produktivität, da sich permanente, laute Geräusche nicht ausblenden lassen.
  • Lärm macht müde, denn neben Stress ist unser Gehirn die ganze Zeit dabei beschäftigt, die Geräusche aufzunehmen, einzuordnen und die Reize zu verarbeiten.

Fazit: Lärm ist schlecht – also weg damit!

Was tun gegen störende Geräusche?

1. Geräusche dämpfen

Je lauter ein Geräusch, desto aufdringlicher. Um es besser ignorieren zu können, können Sie es dämpfen. Dazu sind manchmal Ohrstöpsel geeignet (aber nicht immer – siehe 5.) Es gibt aber auch geräuschunterdrückende Kopfhörer: Bei den passiv unterdrückenden geraten unerwünschte Geräusche in den Hintergrund der ausgewählten Musik oder Geräuschkulisse. Bei aktiv geräuschunterdrückenden Kopfhörern wird dem störenden Geräusch die Gegenfrequenz entgegengesetzt, sodass sich beide Geräusche gegenseitig zu Stille neutralisieren.

2. Geräuschtoleranz erhöhen

Manche Geräusche kann man schlecht ausblenden: Daher würde es helfen, wenn Sie nicht so sensibel auf sie reagieren würden. Mit etwas Übung können Sie lernen, wie Sie Geräusche ausblenden oder weniger stark wahrnehmen. Machen Sie dazu z. B. Musik an, während Sie zuhause arbeiten, und versuchen Sie dabei, sich auf eine Aufgabe zu konzentrieren. Hat das Ausblenden geklappt, erhöhen Sie die Lautstärke und widmen sich einer weiteren Aufgabe. Langsam erhöht sich nicht nur die Musiklautstärke, sondern auch Ihre Geräuschtoleranz.

3. Dem Büro entfliehen

Die Lösung für alle, denen das Großraumbüro zu groß und zu laut ist: Vielleicht gibt es in Ihrem Unternehmen eine Möglichkeit, im Home-Office zu arbeiten? Hier sind Sie zum einen von gewohnter Geräuschkulisse umgeben (dazu später) und zum anderen insgesamt von weniger Geräuschen, da Sie allein im „Büro“ sind. Aber Achtung: Sollten Sie z. B. Kinder haben, die zuhause betreut werden, entsteht dadurch eher mehr Ablenkungspotenzial.

4. Pausen machen

Sind Sie vom Lärm gestresst und Ihre Konzentration sinkt rapide? Machen Sie eine Pause! Also keine halbstündige Mittagspause, versteht sich. Gehen Sie kurz vor die Tür – vielleicht hat Ihr Büro ja einen Balkon oder eine Terrasse – und atmen Sie durch. Kurze, häufige Pausen (ca. jede Stunde) helfen übrigens auch, wenn es keinen Lärm gibt, indem sie Ihre Konzentration steigern.

5. Für die richtige Geräuschkulisse sorgen

Für ein konzentriertes Arbeiten ist die völlige Stille nicht unbedingt maßgeblich – wenn nicht sogar schädlich. Um die störenden Geräusche auszublenden, können Sie also mit der Lautstärke gegen die Lautstärke ankämpfen – auch wenn es erstmal nicht intuitiv erscheint. Setzen Sie dafür Kopfhörer auf und lassen Sie sich von entspannter Musik oder anderen, angenehmen Geräuschen beschallen. Und obwohl die Geräusche in den Kopfhörern auch laut sind, lässt es sich produktiver und konzentrierter arbeiten. Der Grund dafür: Es wird nämlich zwischen zwei Geräuschsorten unterschieden – einer „richtigen“ und einer „falschen“.

Die „richtigen“ Geräusche steigern Ihre Produktivität und verbessern die Qualität Ihrer Arbeit: Das wurde sogar in einer Studie der Heriot-Watt University’s School of Energy, Geoscience, Infrastructure and Society bewiesen. Dazu gehören alle natürlichen Geräusche, wie z. B. das Plätschern von Regen oder der Wind, der durch die Baumkronen weht. Menschengemachte und künstliche Geräusche sind dabei für ein effektives und konzentriertes Arbeiten eher kontraproduktiv.

Die Macht der Gewohnheit

Eine Interessante Beobachtung am Rande: „Dank“ Corona musste Zeilensprung das Büro in Rheine für eine Zeit „auflösen“ – beide haben wir im Home-Office gearbeitet. Und siehe da: Wir hatten Schwierigkeiten, uns an die neue Arbeitssituation zu gewöhnen. Und zwar nicht weil der Schreibtisch anders aussah: Auf einmal saßen wir jeweils ganz alleine da. Kein „Rumgetippe“, kein Schwätzchen. Also stellen wir fest: Die Geräuschkulisse ist für effizientes und produktives Arbeiten sehr wichtig – und zwar nicht nur die Art und die Lautstärke der Geräusche. Auch die Tatsache, ob die gewohnten Geräusche überhaupt vorhanden sind kann die Arbeitsqualität beeinflussen.

Also hören Sie kurz zu: Welche Geräusche umgeben Sie in Ihrem Büro?