Arbeiten in der Werbebranche

Überleben mitten in der Werbeflut

Das kennen Sie sicher: Überall ist diese nervige Werbung! Morgens machen Sie das Radio an: Das Erste, was Sie hören, ist ein Werbespot. Auf dem Weg zur Arbeit sind Sie von Großflächenplakaten, Postern, Bannern und Werbevideos in den Smartphone-Apps umgeben, die Ihnen allesamt die besten Kurse zum Finden Ihrer inneren Mitte, das schnellste Abnehmen oder das günstigste Auto zum Leasen für „nur 300 Euro im Monat zuzüglich Steuern und Gebühren“ und „weiteren Reparaturkosten, die anfallen könnten“ versprechen – immerhin gibt es hier einen Kaffeebecher geschenkt. Nicht mal die Internetseite von Duden kann durch Werbefreiheit punkten – abhängig von meinen Google-Suchanfragen variiert hier die Werbung von Unterwäsche bis hin zu komplexen Lager-Regalsystemen.

Von Nadezda Gerdemann

Das Produkt ist uns egal: Die Frage nach dem „Wie“

Hier kommt aber der entscheidende Unterschied zwischen einem Werbe- und einem Durchschnittsmenschen: Können Sie sich an das letzte Werbebanner erinnern, das Sie gesehen haben? Auch in der Werbebranche gibt es Berufskrankheiten: Abgesehen vom ständigen Verbessern der Gesprächspartner und dem unaufhörlichen unbewussten Korrekturlesen, ist es bei einer Texterin erhöhte „Werbeaufmerksamkeit“. Während sich der durchschnittliche Fernsehzuschauer in der Werbepause schnell etwas zum „Snacken“ holt, beginnt für Werbemenschen der spannendere Teil: die Werbung nämlich!

Bemerkenswert ist, dass dabei nicht das Produkt im Mittelpunkt steht: Es geht nicht um das „Was“, sondern um das „Wie“. Wie ist man auf die Idee gekommen? Was steckt dahinter? Wie hat man diese Idee umgesetzt? Und dann wird natürlich bewertet und verglichen. Vor allem steht dann die Frage im Vordergrund: Kann ein Werbemensch etwas daraus lernen?

Werbung ist nicht gleich Werbung

Es gibt gute Ideen, die katastrophal umgesetzt wurden: Dieser Carglass-Werbespot ist ein Paradebeispiel.

Ein Werbemensch sieht hier definitiv mehr als nur einen nervigen Jingle und Laiendarsteller: Die Idee an sich – Familienurlaub wird gerettet, und zwar schnell, professionell und ohne großen Aufwand – ist gar nicht so schlecht.

Ganz anders ist dabei die Werbekampagne von Hornbach:

Werbung, die ankommt?

Was ist also der Unterschied? Ganz einfach: Diese Werbung nervt nicht. Sie ist ein Kunstwerk an sich: Auch wenn man nicht in der Werbebranche tätig ist und Bescheid weiß, welche Mechanismen hinter der Kampagne stehen. Achten Sie darauf: Werbung kann auch spannend sein!