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Gutes Deutsch für Akademiker

Die Europäische Charta der Regional- oder Minderheitensprachen sollte langsam Akademisch als Minderheitensprache anerkennen – schließlich verstehen diese Sprache ungefähr ähnlich wenige Menschen wie Plattdeutsch, vermute ich. Und das liegt nicht in erster Linie an den Fremdwörtern.

Ist Akademisch eine Fremdsprache?

Deutsche Akademiker – diese Pauschalisierung erlaube ich mir ausnahmsweise. Deutsche Akademiker scheinen selten in der Lage, einen Satz geradeaus zu schreiben, immer wieder biegt er ab, nimmt Kurven, baut Brücken, überspringt Gräben – das reinste Abenteuer; für den Leser leider meist ein gruseliges.

Und das Schlimmste: Akademiker vererben diese Sprache an ihren Nachwuchs weiter. Und der möchte „Papa“ und „Mama“ natürlich ähnlich sein, denn bekanntlich sind sie die stärksten Vorbilder.

Bitte nicht nachmachen!

Jungen Wissenschaftlern empfehle ich: Ahmt nicht die schlechten Gewohnheiten eurer Professoren nach – erfindet euch eigene!

Nur Mut, denn: „Selbst Professoren, die nur Satzlabyrinthe für den angemessenen Ausdruck ihrer geistigen Höhenflüge halten, fühlen sich durch klare Sätze effizienter informiert als durch das, was sie zu schreiben lieben.“ (Wolf Schneider: Deutsch für junge Profis. Wie man gut und lebendig schreibt. Reinbek: Rowohlt Taschenbuch 2011. S. 178.)

Schreiben ist Schlüsselkompetenz für Studenten

Studenten müssen spätestens in der Abschlussarbeit wissenschaftlich schreiben können, viele jedoch scheitern an dieser speziellen Art zu schreiben. Der Sprachwissenschaftler Hans Peter Krings sieht Schreiben als Schlüsselkompetenz für Studenten und hat den Bremer Schreibcoach entwickelt, an dem Studenten online üben können.

„Nicht nur der Sprachwissenschaftler, auch der Maschinenbauingenieur kommuniziert einen Großteil schriftlich, in Mails, Projektberichten und Angeboten an Kunden. Die Unis müssen etwas dafür tun, dass diese Kompetenz auch vermittelt wird“, sagt Krings in der Münsterländischen Volkszeitung vom 31.08.2013 (Seite „Service“).

Einzelne Universitäten bieten bereits Schreibseminare an, so wie das unter der Leitung von Zeilensprung an der WWU Münster: Informieren, überzeugen, begeistern – Leserfreundlich schreiben im Berufs- und Studienalltag.

Damit der Leser Sie versteht

Im Gespräch mit Menschen anderer Professionen müssen Wissenschaftler und Fachleute einfach erklären, was sie tun – und mündlich können sie das meist!

Nur beim Schreiben scheinen viele zu vergessen, wie gut sie sich verständlich ausdrücken können: Immer wieder finden sich hier gehäuft Fachbegriffe.

Gegen Fachwörter ist nichts (!) einzuwenden – aber sie sollten zumindest erklärt werden.

Ein Wort in Klammern dahinter reicht oft schon aus, Bsp.:
Pneumologie (Lungenheilkunde) / Lungenheilkunde (Pneumologie) – das zweite Beispiel gefällt mir sogar besser.

Und wenn wir schon bei komplizierten Wörtern sind: Es gibt eine ganz einfache, aber sehr wirksame Lesehilfe – den Bindestrich:

Magnetresonanztomographie > Magnet-Resonanz-Tomographie

(Die Medizin hat so viele schöne Fremdwörter, ich hätte aber auch andere Professionen für Beispiele wählen können.)

Leserfreundliche Fachartikel

Sicherlich veröffentlichen einige von Ihnen ab und zu Fachartikel in Fachzeitschriften. Zwar ist hier das Publikum ausgesucht, Sie sind alle vom selben Fach – dennoch: Leserfreundlichkeit ist auch hier gefragt. Es schadet also nicht, die bisher gegebenen Tipps auch auf Artikel anzuwenden, die nicht für die breite Öffentlichkeit sind, sondern für Fachinterne.

Denn wie Wolfgang Schneider, Journalist und Verfechter der Leserfreundlichkeit, sagt: „Erstens: Denk nach, bevor du zu schreiben beginnst. Zweitens: Sei nicht beeindruckt, dass du einen Satz geschrieben hast. Jetzt beginnt erst die Arbeit. Wer schnell zufrieden ist, reiht sich ein in die Schar all jener, die niemals gelesen werden.“

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